Der Markt für Pferdefutter boomt. Für fast jedes Wehwehchen und jede Lebenslage gibt es das passende Pulver, Pellets oder Säfte: Kräutermischungen für die Atemwege, Spezialpräparate für die Hufe oder glanzfördernde Öle. Als Pferdebesitzer möchte man verständlicherweise nur das Beste für sein Tier. Doch aus tierärztlicher Sicht lässt sich oft beobachten: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. In vielen Fällen ist eine Überversorgung mit Zusatzfuttermitteln sogar schädlicher als ein leichter Mangel.
Das Fundament: Die Natur des Pferdes verstehen
Das Verdauungssystem unserer Pferde ist als Dauerfresser von Natur aus auf die Verwertung von struktur- und faserreichem, aber nährstoffarmem Futter ausgelegt. Die Basis jeder gesunden Pferdefütterung besteht daher immer aus qualitativ hochwertigem Raufutter (Heu) und Wasser.
Zusätzlich benötigt ein Pferd in der Regel lediglich ein auf die Region und die Bodenbeschaffenheit abgestimmtes Mineralfutter, um den Grundbedarf an Spurenelementen und Vitaminen zu decken.
Die Gefahren der Überversorgung
Viele Besitzer neigen dazu, verschiedene Präparate miteinander zu kombinieren. Hierbei entsteht schnell ein gefährliches Ungleichgewicht, da sich die Inhaltsstoffe gegenseitig beeinflussen können:
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Überlastung der Entgiftungsorgane: Jedes Futteradditiv muss über die Leber und die Nieren verstoffwechselt und ausgeschieden werden. Ein Zuviel an synthetischen Vitaminen oder Mineralstoffen belastet diese Organe dauerhaft.
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Imbalancen im Mineralstoffhaushalt: Ein klassisches Beispiel ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis oder das Zusammenspiel von Zink, Kupfer und Selen. Wird ein Element im Übermaß gefüttert, kann dies die Aufnahme eines anderen blockieren und so erst recht zu Mängeln oder Vergiftungserscheinungen führen.
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Magen-Darm-Probleme: Der empfindliche Blind- und Grimmdarm des Pferdes ist auf eine stabile Mikrobiome (Darmflora) angewiesen. Zu viele Zusätze können das Milieu übersäuern und zu Kotwasser oder Koliken führen.
Wann sind Zusatzfutter wirklich sinnvoll?
Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen eine gezielte Ergänzung medizinisch absolut notwendig und sinnvoll ist. Dazu gehören:
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Akute oder chronische Erkrankungen (z. B. im Rahmen einer osteopathischen oder chiropraktischen Therapie)
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Spezifische Zahnprobleme im Alter, die die normale Raufutteraufnahme erschweren
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Erhöhter Bedarf während des Fellwechsels, der Trächtigkeit oder bei hoher sportlicher Belastung
Als Tutorin der International Academy of Veterinary Chiropractic (IAVC) und Mitglied der Tierärztlichen Fachgruppe Zahnheilkunde für Pferde (TFZP) betrachte ich Ihr Pferd stets ganzheitlich. Häufig liegen Rittigkeitsprobleme oder Leistungsabfälle nämlich nicht an einem Nährstoffmangel, sondern an Blockaden der Wirbelsäule oder unentdeckten Zahnschmerzen.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Fellwechsel beim Pferd
Woran erkenne ich, ob mein Pferd überhaupt ein Zusatzfutter benötigt?
Ein gesundes Pferd mit normalem Trainingspensum benötigt neben qualitativ hochwertigem Heu und Wasser meist nur ein gutes Mineralfutter. Anzeichen für einen echten Mangel können anhaltende Mattigkeit, stumpfes Fell, Probleme beim Fellwechsel, brüchige Hufe oder eine erhöhte Infektanfälligkeit sein. Bevor Sie jedoch selbstständig Präparate dosieren, sollte die Ursache immer tierärztlich abgeklärt werden – häufig stecken auch Zahnprobleme oder Blockaden hinter Leistungstiefs.
Kann ich verschiedene Zusatzfutter bedenkenlos miteinander kombinieren?
Nein, das sollten Sie vermeiden. Viele Präparate enthalten ähnliche Inhaltsstoffe. Durch das Kombinieren kommt es schnell zu einer unbewussten Überdosierung. Zudem stehen viele Mineralstoffe und Spurenelemente in Wechselwirkung zueinander: Ein Überschuss an Zink kann beispielsweise die Aufnahme von Kupfer blockieren. Im schlimmsten Fall füttern Sie Ihr Pferd damit in einen Mangel hinein oder belasten Leber und Nieren.
Ist ein Blutbild sinnvoll, um den Nährstoffbedarf zu ermitteln?
Ja, ein großes Blutbild ist eine sehr gute Momentaufnahme, um vor allem die Versorgung mit Spurenelementen (wie Zink, Selen oder Kupfer) und den Zustand der Entgiftungsorgane (Leber und Nieren) zu überprüfen. Wichtig zu wissen: Einige Werte, wie etwa der Calcium- oder Gehalt an bestimmten Vitaminen im Blut, sind nur bedingt aussagekräftig, da der Körper diese bei einem Mangel temporär aus den Knochen mobilisiert. Ein Blutbild sollte daher immer im Zusammenhang mit einer Überprüfung der aktuellen Futterration interpretiert werden.
Warum schadet zu viel Zusatzfutter den Organen des Pferdes?
Das Verdauungs- und Stoffwechselsystem des Pferdes ist auf karge, faserreiche Nahrung ausgelegt. Jedes künstliche Pulver, jedes Pellet und jeder Saft enthält Stoffe, die im Körper verarbeitet werden müssen. Werden dauerhaft zu viele Vitamine (insbesondere die fettlöslichen Vitamine A, D und E) oder Mineralstoffe zugeführt, die das Pferd nicht benötigt, müssen Leber und Nieren Höchstarbeit leisten, um diese Überschüsse abzubauen und auszuscheiden. Das kann langfristig zu Organspätfolgen führen.
Gibt es Situationen, in denen Zusatzfutter medizinisch notwendig ist?
Auf jeden Fall. In bestimmten Lebens- und Leistungsphasen ist eine gezielte Unterstützung sinnvoll und notwendig. Dazu gehören die Zeit des Fellwechsels, die Trächtigkeit und Laktation bei Stuten, Phasen hoher sportlicher Belastung oder die Rekonvaleszenz nach schweren Krankheiten. Auch alte Pferde, die aufgrund von Zahnproblemen Heu nicht mehr richtig kauen können, benötigen spezielle, leicht verdauliche Ergänzungen, um ihr Gewicht und ihre Vitalität zu halten.
Was sollte ich tun, wenn ich die Fütterung meines Pferdes optimieren möchte?
Der erste Schritt sollte immer eine Bestandsaufnahme sein. Schauen Sie sich die Basis an: Wie ist die Qualität des Heus? Wie viel Kraft- oder Mineralfutter bekommt das Pferd aktuell bereits? Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie uns an. Wir von der Pferdepraxis Alstertal unterstützen Sie gerne vor Ort im Stall – von der Analyse des aktuellen Gesundheitszustands über die Zahnkontrolle bis hin zur Empfehlung einer sinnvoll reduzierten, bedarfsgerechten Fütterung.
Mein Rat: Erst analysieren, dann füttern
Bevor Sie zu einem neuen Ergänzungsfuttermittel greifen, empfiehlt sich ein fundierter Blick auf den tatsächlichen Status quo. Ein detailliertes Blutbild in Kombination mit einer Rationsüberprüfung bringt schnell Klarheit darüber, was Ihr Pferd wirklich benötigt.
Ihr Weg zu einer bedarfsgerechten Fütterung
Sind Sie unsicher, ob Ihr Pferd optimal versorgt ist, oder möchten Sie die Fütterung individuell auf den Gesundheitszustand Ihres Pferdes abstimmen? Ob im Hamburger Norden, im Kreis Stormarn (z. B. Ahrensburg, Ammersbek, Großhansdorf, Siek, Lütjensee) oder im Kreis Segeberg (u. a. Tangstedt, Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Quickborn) – wir besuchen Sie gerne vor Ort im Stall.
Vereinbaren Sie einfach einen Termin in der Pferdepraxis Alstertal. Wir beraten Sie fachkompetent und unabhängig für die Gesundheit Ihres Pferdes.