Pferdezahnheilkunde.

Pferdezahnheilkunde für Pferde

Die Untersuchung und professionelle Behandlung der Pferdezähne hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und ist mittlerweile als routinemäßige Behandlung in den meisten Pferdehaltungen neben Impfungen und Entwurmung kaum noch weg zu denken.

Warum ist das so?

Pferdezähne sind keine konstante „Instituition“ im Pferdemaul. Anders als beispielsweise bei Hunden unterliegt das permanente Gebiss von Pferden einem ständigen Abrieb (Abrasion) und Attrition.

Unter Abrasion versteht man den Abrieb von Zahnsubstanz durch Nahrungsbestandteile wie zum Beispiel Silikate aus Gräsern oder Sand. Unter Attrition versteht man dagegen den Zahnabrieb aufgrund des aufeinander Reibens gegenüberliegender Zähne. So kommt es also, im physiologischen Falle zu einem gleichmäßigen Abrieb aller Zähne und somit maximalen Futterzerkleinerung und damit auch Futterverwertung. Dafür sollten unsere Pferde aber möglichst permanent rauhfaserreiches Futter aufnehmen. Das ist nicht immer der Fall. Somit muss die Gleitfähigkeit der Kauflächen durch regelmäßiges Abtragen von Haken und Kanten und das angleichen sogenannter Wellen bzw. Rampen erhalten werden. Das übernehmen wir Tierärzte.

Das 1×1 der Begriffe in der Pferdezahnheilkunde

1. Wie viele Zähne hat ein Pferd? 

Das Pferd hat:

– je 6 Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer.

– maximal 4 ( nicht bei allen Pferden ausgebildet) Hengstzähne.

– maximal 4 (nicht bei allen Pferden ausgebildet) Wolfszähne.

– je 12 Backenzähne im Ober- und Unterkiefer.

2. Was sind Hengstzähne?

Hengstzähne (in der Fachsprache Canini genannt) sind vergleichbar mit den Reißzähnen bei Fleischfressern (Hund, Katze) und dienten ursprünglich der Verteidigung bei Rangkämpfen zwischen Hengsten untereinander.

Heute haben diese Zähne keine Bedeutung mehr für das Pferd und sind evolutionär bedingt zurückgebildet. Das ist auch der Grund dafür, warum Sie nicht mehr bei jedem Pferd ausgebildet sind.

 

3. Was sind Wolfszähne?

Wolfszähne sind eigentlich die ersten Backenzähne der Backenzahnreihe. Diese haben sich aber ebenfalls im Laufe der Evolution zurückgebildet und haben für das Pferd keine Bedeutung mehr. Sie sind, wenn Sie ausgebildet sind, wesentlich kleiner als die darauffolgenden Backenzähne, haben nur eine, maximal 2 Wurzeln und stören das Pferd vor allem beim Reiten weil das Trensengebiss genau davor liegt und bei Zug am Zügel enormer Druck auf die Wolfszähne kommt. Deshalb ist es immer zu empfehlen diese Zähne zu ziehen.

 

4. Was sind Haken und Kanten? 

Haken sind in der Regel an den äüßersten  „Enden“ des ersten und letzten Backenzahns zu finden.

Kanten befinden sich im Oberkiefer auf der bukkalen (Backen) Seite der Zähne und im Unterkiefer auf der lingualen (Zungen) Seite der Zähne.

5. Wie entstehen Haken und Kanten an Pferdezähnen? 

Durch ungenügenden und ungleichmäßigen Abrieb der Kauflächen, Zahnfehlstellungen, Kieferfehlstellungen (Über- bzw. Unterbiss).

6. Was ist ein Wellengebiss?

Die Zahnreihen nehmen in Ihrem Verlauf nach hinten (Richtung Kiefergelenk) eine leichte Neigung nach oben, die sogenannte Speekurve ein. Der mittlere Zahn in der Zahnreihe ( 09) bildet dabei den letzten geraden Punkt bevor es aufwärts geht.

Im Falle eines Wellengebisses liegen mehrere Zähne außerhalb dieser Speekurve. Ein Wellengebiss behindert die physiologische Kaufunktion und lässt sich, je nach Schweregrad meistens nur über mehrere Sitzungen angleichen.

7. Was sind Rampen? 

Als Rampen im Pferdegebiss bezeichnet man einzelne Zähne die über dem Zahnniveau der anderen Zähne stehen. Während des Kauvorgangs stößt der benachbarte Zahn immer wieder gegen den erhabenen Zahn und die Kaubewegung ist gestört. Der „Gegenspieler“ (gegenüberliegender Zahn) liegt meist unterhalb des Zahnniveaus der anderen Zähne und ist somit außerhalb des Kaudrucks und nicht am Kauvorgang beteiligt.

8. Was bedeutet EOTRH?

„Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis“ beschreibt eine Entzündung des Zahnhalteapparats  und des Zahnfleisches mit bisher nicht vollständig geklärter Ursache. Der Zahn lockert sich und versucht sich durch die übermäßige Produktion von Zement (Ein Zahnbestandteil) wieder im Zahnfach zu festigen. Das bewirkt aber eher das Gegenteil: die Zahnwurzel bekommt eine knollige Form und das beschränkte Platzangebot im Zahnfach drückt gegen die Knollige Zahnwurzel. Schmerz entsteht. Typisch sind unter anderem Auftreibungen am Zahnfleisch und kleine Eiterfisteln. Die Pferde sind meistens über 15 Jahre alt.

Wie läuft so eine Pferdezahnbehandlung ab?

In der Regel reicht, bei einem unkomplizierten Pferdegebiss eine einmal jährliche Kontrolle und gegebenenfalls Korrektur völlig aus. Sollte Ihr Pferd allerdings Probleme beim Fressen haben oder Auffälligkeiten beim Reiten zeigen die auf eine Problematik bei den Zähnen hinweisen könnte (Kopfschlagen, Zunge rausstrecken, ungleichmäßige Anlehnung oder Verweigerung das Trensengebiss usw.) sollte umgehend eine tierärztliche Untersuchung der Pferdezähne erfolgen.

Pferdezahnbehandlung Vorab: 

„Mal eben reinschauen ob da was gemacht werden muss“ ohne Maulgatter, ist nicht aussagekräftig.

 Man kann die hinteren Backenzähne nicht vollständig einsehen, die Beweglichkeit der Kiefer nicht adäquat überprüfen und eine Untersuchung der einzelnen Zähne auf Karies, Paradontose oder Diastema (Erweiterte Zahnzwischenräume) ist gar nicht möglich.

Ich lege allerdings keinem Pferd ein Maulgatter ohne Sedation ein. Die Gefahr von Verletzungen aufgrund von Abwehrbewegungen des Pferdes ist sowohl für mich als Tierärztin als auch für das Pferd zu hoch und steht in keiner Relation zur Notwendigkeit dieser Maßnahme.

Pferdezahnbehandlung Ablauf: 

Nach dem ich kurz mit dem Besitzer des Pferdes über vorherige Zahnbehandlungen und aktuelle bzw. bekannte Probleme des Pferdes gesprochen habe folgt eine kurze Allgemeinuntersuchung (Körpertemperatur, Herzfrequenz, Lymphknoten) um einen andere akute oder chronische Grunderkrankung auszuschließen.

Dann schaue ich mir die Proportionen des Kopfes, der Kopfmuskulatur und der Augen an, palpiere die Kiefergelenke und überprüfe die Spannung des Zungenbeins.

Dann erfolgt die Sedation des Pferdes mit einer Kombination aus zwei Sedativa die sich für Behandlungen am Kopf des Pferdes gut bewährt haben.

Im Anschluss daran lege ich den Kopf des Pferdes in das Spezialzahnhalfter und bringe den Kopf in eine angemessene Untersuchungsposition.

Die Stellung der Schneidezähne zueinander und in Relation zum Kiefergelenk  wird überprüft und durch leichte Öffnung und Seitwärtsbewegung die Beweglichkeit der Ober- und Unterkiefer zueinander überprüft.

Danach erfolgt eine erste Korrektur der Schneidezähne, mithilfe einer Diamantscheibe die über einen Motor angetrieben, aufgrund der hohen Drehzahl die Zahnsubstanz bearbeiten kann. 

Danach lege ich dem Pferd das Maulgatter ein und schaue mir die Backenzähne an.

Hierbei achte ich auf:

  • Die Stellung der Zähne zueinander..
  • Die Stellung jedes einzelnen Zahnes innerhalb der Zahnreihe.
  • Mithilfe eines Untersuchungsspiegels überprüfe ich die Beschaffenheit der Zahnbestandteile an jedem Zahn.
  • Sind Wolfszähne vorhanden.
  • Gibt es Verletzungen in der Maulhöhle aufgrund der Zahnkanten. 

Danach bearbeite ich die erhobenen Befunde mithilfe verschiedener Zahnschleifmaschinen und überprüfe meine Arbeit immer wieder durch Öffnen und Schließen des Maulgatters und Begutachtung der Zahnreihen zueinander.

Im Anschluss daran werden noch einmal die Schneidezähne überprüft damit auch alles passt.

Wie bereits erwähnt kann die Korrektur von Wellengebissen oder Rampen mehrere Sitzungen benötigen. Alle 4-6 Monate erfolgt in diesen Fällen eine erneute Korrektur.

Worauf sollten Sie nach der Zahnbehandlung Ihres Pferde achten?

– Kein Futter für mindestens 2 Stunden aufgrund der Sedation und der damit verbundenen Gefahr einer Schlundverstopfung

– Möglicherweise tut sich Ihr Pferd, je nachdem wie stark die Korrektur der Zähne war, für die nächsten 1-2 Tagen etwas schwer mit dem Fressen und muss sich erst an die neue „Freiheit“ im Maul gewöhnen.

Wie hoch sind die Kosten für eine Routine Zahnbehandlung?

Ich berechne meine tierärztlichen Leistungen gemäß der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte). Noch dazu kommen Kosten für die Sedativa und eventuell weitere Medikamente, falls nötig.