Impfungen beim Pferd- Worauf sollten Sie achten?

Wie auch f√ľr uns Menschen gibt es auch in der Pferdewelt gef√§hrliche bakterielle und virale Erreger die unseren Pferden viel Leid und auch den Tod bringen k√∂nnen. Und auch hier existiert gegen eine Vielzahl dieser Erreger Impfungen um das Pferd und die Pferdepopulation zu sch√ľtzen. Welche Impfungen sind beim Pferd vorgeschrieben? Welche Impfungen machen beim Pferd zus√§tzlich noch Sinn und woran machen Sie fest ob Sie Ihr Pferd dagegen impfen lassen oder nicht? N√ľtzliche Informationen zu den einzelnen Erregern, der Dringlichkeit dagegen zu impfen oder nicht, sowie das jeweilige Impfschema sind hier zusammengefasst.

Wogegen SOLLTEN Sie Ihr Pferd impfen lassen?

  • Influenza
  • Tetanus
  • Equines Herpes Virus Typ-1 und -4
  • (West Nile Virus)

Wogegen K√ĖNNEN Sie ihr Pferd impfen lassen?

  • Hautpilz
  • Druse
  • EVA (Equine Virus Arteritis)
  • Tollwut
Die regelm√§√üige Impfung ist insbesondere f√ľr den Bestand von gro√üer Bedeutung

Wogegen M√úSSEN Sie Ihr Pferd impfen lassen?

Impfung gegen Influenza

Bei Influenza handelt es sich um eine schwere Atemwegserkrankung mit trockenem Husten (v.a. ungeimpfte Pferde), hohem Fieber und Abgeschlagenheit. Nicht selten behalten die Pferde schwere Sch√§digungen der Lunge zur√ľck. Die Erkrankung mit Influenza ist hochansteckend (Tr√∂pfcheninfektion) aber hat eine geringe Sterblichkeitsrate (wenn, dann sterben meist ungeimpfte Pferde daran).

Impfschema f√ľr Influenza:

Mindestalter: Ab 4 Monaten.

Grundimmunisierung: Impfen Sie ihr Pferd zweimal im Abstand von4-6 Wochen, dann nach 5 Monaten noch einmal.

Wiederholungsimpfung: Laut Hersteller einmal jährlich. Laut LPO alle 6 Monate +/- 21 Tage.

Wichtig! Eine fehlende oder fehlerhafte Grundimmunisierung sowie nicht ordnungsgem√§√üe Wiederholungsimpfungen (6 Monate +/- 21 Tage) √ľber die letzten drei Jahre f√ľhrt zum Auschluss der Teilnahme an einer Pferdeleistungssportveranstaltung. F√ľr die Kontrolle im Equidenpass ist der Tierarzt zust√§ndig. Die Entscheidung √ľber die Ma√ünahmen bei Fehlverhalten √ľbernimmt der LK-beauftrage Richter der Turnierveranstaltung.

Impfung gegen Tetanus

Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) handelt es sich um eine in der Regel sehr leidvolle und t√∂dliche Infektion mit dem Toxin des Bakteriums Clostridium Tetani. Das Bakterium kann sehr gut im Erdreich √ľberdauern und schon die kleinste Wunde gen√ľgt f√ľr eine Infektion. Pferde sind sehr anf√§llig f√ľr solch eine Infektion. Die wissentliche Haltung eines ungeimpften Pferdes ist Tierschutzrelevant.

Impfschema Tetanus:

Mindestalter: 6 Monate.

Grundimmunisierung: Impfen sie Ihr Pferd zweimal im Abstand von 4-6 Wochen und dann noch ein drittes Mal nach einem Jahr.

Wiederholungsimpfung: Je nach Impfstoff alle 2 oder 3 Jahre.

Impfung gegen Equines Herpes Virus (EHV)

Die Impfung gegen Herpes (EHV) ist eine sogenannte ‚ÄěCore‚Äú Impfung. Das bedeutet, sie ist nicht vorgeschrieben, aber wird von der StiKO Vet empfohlen . Denn dieses Virus √ľbertr√§gt sich √ľber direkten Kontakt von Pferd zu Pferd!

Bitte beachten Sie: Die Impfung eines einzigen Pferdes, in einem Bestand mit 30 ungeimpften Pferden bringt Ihnen ziemlich wenig. Weder f√ľr Ihr Pferd noch f√ľr den Bestand. Aber die Impfung aller Pferde im Bestand verk√ľrzt die Ausscheidungszeit und verringert die klinischen Symptome deutlich bei erkrankten Pferden. Und wenn Sie tragende Stuten im Bestand haben, ist die Impfung praktisch unumg√§nglich. Sicher, die Impfung sch√ľtzt nicht gegen die Erkrankung. Aber EHV verursacht bei tragenden Stuten Aborte im letzten Tr√§chtigkeitsdrittel und das Fruchtwasser und die Nachgeburt sind Hochinfekti√∂s und k√∂nnen weitere Pferde infizieren.

Impfschema EHV:

Mindestalter:  Ab 5-6 Monate.

Grundimmunisierung: Zweimal im Abstand von 4-6 Wochen.

Wiederholungsimpfung: Alle 6 Monate.

Tragende Stuten: Grundimmunisierung am besten bereits vor der Trächtigkeit! Dann im 5.,7. und 9. Trächtigkeitsmonat.

Impfung gegen West Nil Virus

Das West Nil Virus infiziert eigentlich nur V√∂gel. Aber Menschen und Pferde sind sogenannte Fehlwirte da die √úbertragung √ľber Stechm√ľcken l√§uft. Fehlwirt bedeutet: Man kann zwar erkranken aber man √ľbertr√§gt das Virus nicht. Seit einigen Jahren verbreitet sich das Virus auch in Deutschland vermehrt. Insbesondere in Ost-Deutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg) aber auch in Niedersachsen wurden schon einige F√§lle dokumentiert. Wenn Sie Ihr Pferd in dieser Region stehen haben oder planen dorthin zum Beispiel in den Urlaub zu fahren, ist eine Impfung empfehlenswert.

Die Symptome sind ziemlich unspezifisch und ähneln denen einiger anderer Infektionskrankheiten (u.a. Borna Disease und EHV):

u.a. Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden, Sehstörungen, Zielloses umherlaufen, Schwäche der Hinterhand, partielle Lähmungen.

Die Sterberate liegt bei den Pferden die an der neurologischen Variante erkranken bei 20-57 %.

Derzeit gibt es keine gezielte Therapie gegen das West Nil Virus. Einzig eine symptomatische Therapie ist m√∂glich. Die Impfung ist der einzig wirksame Schutz f√ľr Ihr Pferd.

Impfschema West Nil Virus:

Mindestalter: Ab 5 Monate

Grundimmunisierung: Zweimal im Abstand von 4-6 Wochen

Wiederholungsimpfung: Einmal jährlich laut Hersteller

Tipp: Die Grundimmunisierung sollte im Fr√ľhjahr vor der ‚ÄěM√ľckensaison‚Äú starten.

Wogegen K√ĖNNEN Sie Ihr Pferd impfen lassen?

Impfung gegen Hautpilz

Die Impfung gegen Hautpilz richtet sich gegen die beiden h√§ufigsten Gattungen: Trichophyton und Mikrosporum. Sie kann vorbeugend bereits ab dem 5. Lebensmonat oder w√§hrend der Erkrankung gespritzt werden, um die Symptome zu verringern bzw. ganz abklingen zu lassen. Es ist deshalb eine “kann” Impfung weil Pilz beim Pferd in der Regel eine sich selbst regulierende Erkrankung ist. Meistens klingen die Symptome nach sp√§testens drei Monaten wieder ab. Warum will man dann trotzdem Impfen? Weil durch die Impfung wesentlich schneller zur Abheilung kommt. Und somit auch schneller keine Ansteckung anderer Pferde mehr zu bef√ľrchten ist. Besonders f√ľr Turnierveranstaltungen und K√∂rungen ist die Impfung von gro√üer Bedeutung.

Impfschema Hautpilz:

Mindestalter: 5 Monate.

Grundimmunisierung: Zweimal im Abstand von 14 Tagen.

Wiederholungsimpfung: Nach 9-12 Monaten.

Impfung gegen Druse (Strepptokokus Equi)

Hier fragen sich wahrscheinlich sehr viele Pferdebesitzer warum die Impfung gegen Druse keine Pflicht-Impfung ist. Die Infektion mit dem bakteriellen Druse Erreger Streptokokkus Equi verursacht vor allem bei Jungpferden Allgemeinerkrankungen mit Fieber, Nasenausfluss Abzessen der Lymphknoten mit einhergehenden Schluckbeschwerden. Ziel der Impfung ist die Symptome zu mildern und die Abzessbildung in den Lymphknoten zu verhindern.

Sollte Ihr Pferd Kontakt mit einem an Druse erkrankten Pferd gehabt haben oder in einem Stall gewesen sein, in dem es später zu einem Druse-Infektion eines Pferdes kam empfiehlt sich die Impfung gegen Druse.

Impfschema Druse:

Mindestalter: Ab 4 Monaten.

Grundimmunisierung: Zweimal im Abstand von 4 Wochen.

Wiederholungsimpfung: Zur Aufrechterhaltung der Immunität ist die Impfung alle 3 Monate zu wiederholen.

Impfung gegen Tollwut

Die Tollwut ist eine Viruserkrankung und wird durch das Lyssa-Virus hervorgerufen. Die Infektion mit Tollwut ist Anzeigepflichtig. √úbertragen wird das Virus in der Regel √ľber Tierbisse infizierter Tiere. Die Erkrankung verl√§uft in der Regel t√∂dlich und eine wirksame Therapie gibt es nicht, bzw. ist laut Tollwutverordnung verboten. Das Pferd geh√∂rt in der Regel nicht zu den besonders gef√§hrdeten Spezies. Empfehlenswert k√∂nnte die Impfung f√ľr Pferde sein, die in Weide- oder Offenstallhaltungen in Tollwut gef√§hrdeten Bezirken stehen.

Impfschema Tollwut:

Mindestalter: Ab 6 Monaten.

Grundimmunisierung: Einmalige Impfung.

Wiederholungsimpfung: Je nach Hersteller alle 1-2 Jahre.

Impfung gegen EVA (Equine Virus Arteritis)

Die Infektion mit EVA verursacht hohes Fieber, √Ėdeme, Bindehautentz√ľndungen, Koliken und Aborte bei tragenden Stuten.

Grunds√§tzlich ist die √úbertragung √ľber alle K√∂rpersekrete m√∂glich. Besonders h√§ufig erfolgt die √úbertragung aber √ľber Hengstsperma. Hengste sind Tr√§ger ohne selbst Symptome zu zeigen.

Die Impfung empfiehlt sich daher vor allem f√ľr Deckhengste und Zuchtstuten.

Impfschema EVA:

Mindestalter: Ab 9 Monaten.

Grundimmunisierung: Zweimal im Abstand von 3-6 Wochen.

Wiederholungsimpfung: Alle 6 Monate.

Was Kostet eine Impfung beim Pferd?

Die Kosten f√ľr eine Impfung beim Pferd setzen sich zusammen aus:

  • Besuchsgeb√ľhr/Anfahrt.
  • Eine kurzen Untersuchung des Pferdes.
  • Verbrauchsmaterialen (Spritze, ¬†Kan√ľle, Tupfer, Alkohol)
  • Impfstoff.

Nicht alle Impfstoffe haben den gleichen Preis.

Die Kosten belaufen sich im Durchschnitt auf 50-70 Euro.

Nach erfolgreicher Grundimmunisierung sind also jährlich mit Impfkosten (je nachdem wogegen man Impfen möchte und muss) um die 120 Euro zu rechnen.

Pferdepraxis Alstertal
Alle Impfungen werden im Pferdepass dokumentiert

Wie lange sollte das Pferd nach der Impfung geschont werden?

Jede Impfung des Pferdes stellt dessen Organismus vor eine kleine (und manchmal auch gr√∂√üere) Aufgabe. Deshalb kommt es vor√ľbergehend zu einer vermehrten Belastung und Stress f√ľr den K√∂rper. Es empfiehlt sich daher das Pferd f√ľr 2-3 Tage zu schonen. Sollten in dieser Zeit Unvertr√§glichkeiten, Fieber oder lokale Schwellungen auftreten, informieren Sie mich bitte.

Was ist bei der Impfung von Turnierpferden zu beachten?

Die LPO schreibt die Impfung von Pferden gegen Influenza vor. Die Impfung gegen Tetanus wird aus den genannten tierschutzrelevanten Gr√ľnden als selbstverst√§ndlich angesehen.

Die Impfung gegen EHV und, je nach Turnierort, gegen das West Nil Virus wird empfohlen.

Grunds√§tzlich kann 14 Tage nach den zweiten Grundimmunisierung ein Turnierstart erfolgen. Nach der dritten Grundimmunisierung m√ľssen 7 Tage bis zum Turnierstart dazwischen liegen.