Grundsätzlich kann jedes Pferd an Hufrehe erkranken. Es gibt aber, und das ist den jeweiligen Pferdebesitzern auch meistens bekannt, Pferderassen die aufgrund einer sogenannten Rassedisposition mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Hufrehe erkranken als andere Rassen. Gemeint sind Shetlandponys, einige Kaltblutrassen oder Kleinpferderassen.

Zudem sind Überbelastung der Hufe mit unphysiologischen Hornabrieb, fehlerhafte Hufbearbeitung, Energieüberschuss, Vergiftungen und diverse Stoffwechselerkrankungen für die Entstehung einer Hufrehe mitverantwortlich. Die Erkrankung, die Ursachen und auch die Therapieansätze für dieses Erkrankungsbild sind sehr vielseitig und stark von der persönlichen Überzeugung und der Mithilfe des Pferdebesitzers abhängig. Das Management eines Hufrehepatienten erfordert zudem viel Disziplin und Geduld.

Die weiße Linie ist pathologisch verbreitert im Falle einer Hufrehe.

Frage 1: Was ist die Huflederhaut?

Die Huflederhaut besteht nicht aus Leder. Das schon mal vorab. Sie besteht aus feinen, zahlreichen Lamellen. Die, ineinander verzahnt das knöcherne Hufbein mit dem Hornschuh verbindet UND den mechanischen Zug- und Druckkräften die im Stand oder in Bewegung auf den Huf einwirken standhalten. Ein beeindruckender Mechanismus.

Zudem verläuft die Blut und Nervenversorgung der Epidermiszellen im Hornschuh über die Lamellen der Huflederhaut.

Die Lamellen der Huflederhaut.
Das Hufbein.

Frage 2: Was sind die Symptome einer Hufrehe beim Pferd?

Hufrehe betrifft in der Regel eine (eher selten) oder beide Vordergliedmaßen. Ca. 60 % des Körpergewichts wird von den Vordergliedmaßen getragen.

Typische Symptome:

  • Abwechselndes Belasten der Vordergliedmaßen “Tippeln”.
  • Unwilligkeit eine oder beide Vordergliedmaßen hoch zu geben.
  • Vermehrtes Hinlegen.
  • Unwilligkeit über harte oder unebene Untergründe zu laufen.
  • Rehestellung: Lehnt sich nach hinten, möchte Hufspitze möglichst nicht belasten.
Die aseptische Entzündung der Huflederhaut.
Das erkrankte Hornmaterial sollte vollständig
entfernt werden.

Frage 3: Wie wird eine Hufrehe behandelt?

Vorweg: Eine Behandlung sollte grundsätzlich durch einen Tierarzt und ggf. in Zusammenarbeit mit einem staatlich geprüften Hufschmied erfolgen.

Es alleine zu managen oder nur in Zusammenarbeit mit dem Hufschmied, dem Hufpfleger oder dem Tierheilpraktiker ist nicht ausreichend da eine adäquate Schmerztherapie erfolgen muss. Grundsätzlich gibt es einige Standards in der Behandlung von Hufrehe beim Pferd.

  • Medikamente? Definitiv! Die Schmerzausschaltung und Entzündungshemmung stehen an erster Stelle. Medikamente aus der Gruppe der NSAIDs (nicht steroidale Antiphlogistika) sind hier die Mittel der Wahl. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit. Für mich persönlich ist aber Flunixin-Meglumin wegen der zuverlässigen hohen Schmerzausschaltung und Endotoxin bindenden Wirkung das Medikament der Wahl aus dieser Gruppe.
  • Antibiotika? Nein. Es handelt sich bei Hufrehe um eine sogenannte aseptische ( nicht durch Bakterien) ausgelöste Erkrankung. ANTIBIOTIKA SIND SOMIT NICHT NOTWENDIG.
  • Mechanische Entlastung? Unbedingt! Die Hufspitze verliert ihre Stabilität im Hornschuh weil die Funktion der Huflederhaut gestört ist. Der zusätzliche Zug der tiefen Beugesehe am Hufbein führt zu der typischen Rehestellung. Hochstellung der Trachten ( Polster, Gipse) und gepolsterte Verbände lindern die Symptome definitiv und haben ebenfalls eine Entzündungshemmende Wirkung.
  • Bewegung? Nein. Die betroffenen Pferde wollen in der Regel nicht laufen. Und das müssen Sie auch nicht. Sie suchen sich weiche Bodenverhältnisse und legen sich häufig, zur Entlastung der Gliedmaßen hin. Sie einfach auf ein großes Paddock zu stellen auf dem Sie “weite” Strecken zu Wasser und Futter hinter sich bringen oder von anderen Herdenmitgliedern gejagt werden, ist absolut kontraproduktiv. FAZIT: Eine normale Box, weich eingestreut mit frischen Wasser und Futter das stehen oder liegend erreichbar ist, ist optimal.
  • zusätzliche Maßnahmen? Ja! Es ist mindestens genauso wichtig den Auslöser des akuten Schubes ausfindig zu machen. Nur so können zukünftige Schübe vorgebeugt werden.
NSAIDs. Good to know:
  • Antientzündlich, Schmerzstillend, Fiebersenkend.
  • In der Humanmedizin: u.a. Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol.
  • In der Tiermedizin: u.a. Flunixin, Phenylbutazon, Meloxicam, Firocoxib.
  • Häufigste Nebenwirkung: Magenschleimhautreizung und Ulzerationen.

Frage 4: Fütterungsrehe beim Pferd

Übergewichtige Pferde sind besonders gefährdet.

Die Fütterungsbedingte Hufrehe gehört, bei den leichtfuttrigen Pferderassen (Ponys, Kaltblüter, Kleinpferde) zu den häufigsten Ursachen einer akuten oder sogar chronischen Rehe. Allerdings oft in Zusammenhang mit einer Stoffwechselerkrankung. Da es gehäuft im Frühjahr und Sommer zu Reheschüben bei eben genau diesen Rassen kommt wird schnell klar das Gras und die darin enthaltenen Fruktane genauso wie der 1. Schnitt beim Heu eher ungünstig für eben genau diese prädisponierten (vorbelasteten) Pferderassen sind.

Kurzer Exkurs: Pferde sind ursprünglich Steppentiere. Das bedeutet sie laufen am Tag mehrere Stunden um Futter zu suchen und ernähren sich eher, aufgrund der kargen Vegetation, von energiearmen Gräsern und Sträuchern.

Der Unterschied zu “unserer” Interpretation von artgerechter Pferdehaltung? Sie ist leider, leider nicht ganz Artgerecht.

Das Überangebot an energiereicher Nahrung bei wenig Bewegung ( Fütterungsbedingte Rehe betrifft häufig Pferde die außer auf der Weide gehen oder ab und zu mal einen kleinen Ausritt machen) führt dazu das vorallem Fruktane ( größere Moleküle als Glukose) über die Blutbahn in das Gefäßgeflecht des Hufes gelangen diese feinen Endgefäße verstopfen und so zu einer Minderdurchblutung der Huflederhaut und schlussendlich zu einer aseptischen Laminitis (Hufrehe) führt.

Frage 5: Wie lange dauert die Heilungsphase einer Hufrehe?

Die Antwort auf diese Frage lässt sich leider nicht mit einer Standardantwort für eine akute Hufrehe oder chronische Hufrehe beantworten. Es ist von einigen Faktoren abhängig wie schnell sich die Huflederhaut und auch das Pferd wieder erholen oder in einen “akzeptalen” Zustand ist.

  • Schweregrad des Schubes? (Achtung! Das klinische Bild und der Röntgenbefund passen nicht immer zusammen)
  • Ansprechen auf die Therapie? (Die Pferde reagieren oft unterschiedlich auf die Medikamente und mechanischen Unterstützungen, Manchmal ist eine “Planänderung” nötig um die Heilungsvorgänge zu optimieren.
  • Wie gut lässt sich die Ursache abstellen? Überspitzt gesagt: Lässt man das Pferd auf der Weide im Gras stehen… Dann dauerts… Oder wird gar nicht mehr.
  • Disziplin? Sie als Pferdebesitzer sind gefragt. Nur das konsequente befolgen der tierärztlichen Anweisungen ohne Ausnahme ( mal ne Stunde aufs Gras, Schmerzmittelgabe nur nach Bedarf usw.) wird ihrem Pferd einen möglichst kurzen Heilungsprozess bescheren.
  • Prophylaxe? Regelmäßige Hufbearbeitung (Rehepferde sind nicht sehr flexibel was Stellungsveränderungen im Huf angeht die von ihrer “Norm” abweichen) , energiereiches Futter vermeiden, Stoffwechselerkrankungen regelmäßig kontrollieren. Gewichtskontrolle.

Wichtig ist: Die dauerhafte, voll ausdosierte Gabe von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern ist nicht die Lösung. Reagiert das Pferd bei der schleichenden Senkung der Schmerzmittel immer wieder mit starker Schmerzhaftigkeit oder erneuten Reheschüben, ist die Prognose quoad vitam ( Überlebenschance) ungünstig.

Auch Wichtig: Die Röntgenbefunde einer Hufrehe passen nicht immer zum klinischen Bild eines Pferdes mit Hufrehe. Im Falle einer akuten Entzündung sind Pferde mit nur leichter Rotation des Hufbeins meist genauso “schlecht” wie Pferde mit hochgradiger Rotation des Hufbeins. Die Rotation des Hufbeins ist, so oder so, irreversibel. Ziel ist also eine möglichst schnelle Entzünndungshemmung um den Prozess möglichst schnell zu durchbrechen.

Noch Fragen?

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